Isabel Fargo Cole

Die Goldküste - Eine Irrfahrt

2022 | Book
Goldküste
About the project

»Mein Ururopa Arva Fargo war zur Goldsuche nach Alaska abgehauen. He ran off to the Yukon. He ran off to the Klondike. Eine Geschichtsscherbe, hervorgekramt, ratlos zurückgelegt.« Mehr als hundert Jahre nach ihrem Vorfahren macht sich Isabel Fargo Cole von Deutschland auf nach Alaska, von dort über Seattle Richtung Kalifornien, auf den Spuren Arva Fargos und dessen fieberhafter Suche nach dem Gold – Fluch und Segen so vieler Biografien des ›vergoldeten Zeitalters‹ Ende des 19. Jahrhunderts. Die ›Geschichtsscherben‹, die sie nicht nur in den verlassenen Claims findet, fügt sie zu einem vielstimmigen Recherche- und Reisetagebuch in ein fremdes, scheinbar unermessliches Land zwischen Ost und West, zwischen Ausbeutung und Bewahrung. Denn die größte Exklave der Welt ist zwar dünn besiedelt, doch wie kaum ein anderer Landstrich von Fantasien ursprünglicher Wildnis und verborgener Reichtümer besetzt. Coles Expedition führt tief in die Schürf- und Abgründe des amerikanischen Traums, der mit seinen wirkmächtigen Versprechen bis heute Menschenmassen anzieht und wieder ausspuckt: abenteuerliche Glücksritter, Vagabunden und Helden verblasster Zeitungsmeldungen. Was sie dabei zu Tage fördert, ist wertvoller als Gold: ein erzählerisch-essayistisches Schürffeld voller Geschichten und Reflexionen über ein Grenzland fremder Heimat.

Pressestimmen:

»Das eigentlich Besondere an diesem so spannend wie poetisch erzählten Buch ist [], wie Isabel Fargo Cole Natur und Geschichte Alaskas kunstvoll mit ethnologischen Betrachtungen und der eigenen biografischen Suche verwebt«
– Alexander Cammann, ZEIT Literatur

»›Die Goldküste‹ ist auf romanhafte Art literarisch, zugleich aber liefert der opulent bebilderte Band die Soziologie einer Träumerei, die sich bald als Albtraum erweisen sollte. Ein durch und durch staunenswertes, kaleidoskophaftes Buch.«
– Paul Jandl, Neue Zürcher Zeitung

ISBN: 978-3-7518-0217-8 | 367 Seiten
Verlag: Matthes & Seitz Berlin | 2022

(c) Isabel Cole
(c) Isabel Cole
(c) Theron Cole
(c) Theron Cole
Death Valley Baranoff
Death Valley Baranoff
About the research

Das Grenzgänger-Stipendium habe ich 2019 für einen essayistischen Reisebericht über Sibirien mit Schwerpunkt auf die (Öko-)Geschichte der Goldgewinnung beantragt. Konzipiert war das Buch als Pendant zu einem weiteren, damals erst angedachten essayistischen Buch über eine 2018 unternommene Alaska-Reise und die Goldrauschgeschichte meines Ururgroßvaters Arva Fargo.

Leider konnte ich auf Grund der pandemischen bzw. der politischen Lage meine Sibirien-Recherchereise nicht durchführen. Dafür ist das Alaska-Buch, Die Goldküste. Eine Irrfahrt, 2022 in der „Naturkunden“-Reihe bei Matthes und Seitz erschienen und der Sibirien-/Russland-Stoff ist zum Teil darin aufgegangen. Ich bin dem Grenzgänger-Programm sehr dankbar, dass trotz der Umkonzipierung des Projektes eine Förderung doch noch erfolgen konnte.

Bei der Aufarbeitung der Geschichte Arva Fargos sowie meiner Alaska-Reise mit „Ausflügen“ in die (Natur-)Geschichte der Region stelle ich zahlreiche Bezüge zu Russland und Sibirien her. Schließlich hat Arva sein Claim unweit eines Dorfes mit dem russischen Namen „Shishmaref“ direkt an der Bering-Straße abgesteckt – d.h. genau dort, wo Alaska und Sibirien vor mehr als 10.000 Jahren Teile einer einzigen Landmasse („Beringia“) waren und auf diesem Wege die ersten Menschen das amerikanische Kontinent erreichten.

So haben sich meine Recherchen nicht als räumliche Reise, sondern als Zeitreise gestaltet, die mit verschiedenen Themenkomplexen das Buch durchzieht: Beringia, die russischen Forschungsreisen auf dem amerikanischen Kontinent (Vitus Bering/ Georg Wilhelm Steller, Otto von Kotzebue/ Adelbert von Chamisso), das „russische Amerika“, das von etwa 1799 bis 1860 von Alaska bis nach Kalifornien reichte.

Über das in vielerlei Hinsicht spiegelbildartige Verhältnis zwischen Russland und den USA ziehe ich das Fazit: „Seit dem 17. Jahrhundert dehnen sich zwei Imperialmächte aus, ethnisch bunt durchmischt, hin- und hergerissen zwischen Reaktion und Utopie, ujut (der warme Schutz des Innenraums) und prostor (das weite wilde Draußen). Zwei Landnahmen, die sich am Pazifik trafen.“ Reflektiert werden auch die russisch-amerikanischen Spannungen, die sich während der US-Präsidentschaftswahl 2016 zuzuspitzen begannen und schließlich in jenem Krieg gipfelten, die eine physische Reise nach Russland vorerst unmöglich erscheinen lässt.  

  • Isabel Cole (c) Dirk Skiba
    Isabel Fargo Cole (*1973 in Galena, Illinois, USA), studierte Literaturwissenschaft, Geschichtswissenschaft und Philosophie an der University of Chicago. Seit 1995 lebt sie in Berlin als Autorin und Übersetzerin und schreibt inzwischen hauptsächlich...